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      Aktuelle Marktentspannung schafft Handlungsspielräume für Treasury-Funktionen

      Die internationalen Rohstoff- und Energiemärkte zeigen nach Jahren außergewöhnlicher Volatilität erstmals klare Entspannungstendenzen. Zahlreiche Indizes notieren unter Vorjahresniveau, Volatilitätsmaße gehen zurück und Prognosen signalisieren eine Phase relativer Marktstabilität. Für Treasury- und Finanzverantwortliche eröffnet sich damit ein günstiges Zeitfenster: Jetzt können Steuerungsansätze, Bilanzierungs- und Hedging-Strategien ohne akuten Krisendruck überprüft und zukunftsfähig ausgerichtet werden.

      Makroökonomisch deuten diese aktuellen Prognosen auf sinkende Rohstoffpreise hin. So erwartet die Weltbank für 2025 einen Rückgang der Preise um rund 12% und weitere 5% im Jahr 2026. 

      Dies stellt das niedrigste Niveau des Jahrzehnts dar. Auch kurzfristige Großhandelspreise für Strom liegen in vielen Regionen deutlich unter dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöht die OPEC+ ihre Fördermengen, was kurzfristig preisdämpfend wirken könnte. Trotz dieser Entspannung bleiben strukturelle Risiken (geopolitisch, regulatorisch und logistisch) bestehen. Treasury-Funktionen sollten diese Phase deshalb nicht als „Atempause“, sondern als aktiven Gestaltungsraum nutzen.

      Strategische Handlungsfelder im Treasury in ruhigen Marktphasen

      Für Treasury-Abteilungen rohstoffintensiver Unternehmen eröffnet sich aktuell eine seltene Gelegenheit: Die Marktberuhigung erlaubt strategisches Handeln ohne Krisendruck.

      Während akuter Marktvolatilität stehen oft operative Ad-hoc-Maßnahmen im Vordergrund. In Phasen niedriger Preisschwankungen hingegen können Treasury-Abteilungen gezielt ihre Strukturen und Strategien stärken:

      • Hedging-Strategie und Handlungsrahmen schärfen: Treasury-Abteilungen können bestehende Hedging-Strategien auf Effektivität und Zielkongruenz überprüfen. Dazu zählen unter anderem die Evaluierung von Hedge-Volumina, die Anpassung von Zeithorizonten und Instrumenten sowie die Integration von Nachhaltigkeitszielen (zum Beispiel PPAs) in die Finanzstrategie.
      • Bilanzielle und regulatorische Rahmenbedingungen optimieren: Eine ruhige Marktphase bietet Gelegenheit, Bewertungsgrundsätze, Hedge-Accounting-Strategien (IFRS 9) und interne Kontrollsysteme zu überprüfen und Anpassungen ohne Zeit- und Handlungsdruck umzusetzen.
      • Risikotragfähigkeit und Liquiditätssteuerung klar definieren: Durch die Festlegung differenzierter Limite für Normal- und Stress-Szenarien kann Treasury die Resilienz der Organisation gegenüber Preis- und Liquiditäts-Schocks strukturell stärken.
      • Reporting- und KPI-Landschaft modernisieren: Transparente, zentralisierte Steuerungsgrößen (zum Beispiel Value-at-Risk, Cashflow-at-Risk, Mark-to-Market-Exposure) ermöglichen eine fundierte Entscheidungsbasis für Management und Aufsichtsgremien.

      Exposure-Transparenz als Grundlage für effektive Steuerung

      Viele rohstoff- und energieintensive Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Preis- und Beschaffungsrisiken nicht vollständig quantifizieren zu können. Ursachen sind oft fragmentierte Datenlandschaften, dezentrale Prozesse und mangelnde Integration zwischen Handels- und Treasury-Systemen.

      Hier kann Treasury als zentrale Steuerungseinheit fungieren:

      • Durch konsolidierte Exposure-Erhebung über physische und finanzielle Positionen,
      • durch Einbezug von Interdependenzen (zum Beispiel Einkaufs- und Verkaufspreise),
      • und durch Etablierung eines einheitlichen Risiko-Management-Setups für Beschaffung, Vertrieb und Finanzierung.

      Diese Transparenz ist Voraussetzung für eine belastbare Limitsteuerung, für Hedge-Entscheidungen und für ein integriertes Reporting gegenüber Vorstand, Aufsichtsrat und Investoren.

      Strombeschaffung und PPAs: Finanzielle Hebel im Treasury-Kontext

      Ein besonders Augenmerkt ist auf die Strombeschaffungsstrategie zu legen. Hier ergeben sich für Treasury mehrere Stellhebel:

      • Planungssicherheit und Preisstabilität: Langfristige PPAs (physisch oder virtuell) ermöglichen stabile Cashflows und erleichtern mithin Budgetierung und Forecasting
      • Hedge Accounting und Bilanzierung: Die bilanzielle Behandlung (Hedge Accounting oder Own-Use) beeinflusst direkt Volatilität in der GuV.
      • Gegenparteirisiken und Limitsteuerung: Die Integration von Gegenparteien in bestehende Limit- und Risiko-Modelle ist entscheidend für eine konsistente Steuerung.
      • Finanzierungsintegration: PPA-Strukturen können langfristige Finanzierungsbeziehungen begründen und sollten eng mit der Liquiditätsplanung abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere bei Investitionen in Speicher und Flexibilitätslösungen.

      Der KPMG Risk-Management-Health-Check als strategischer Hebel für Treasury und Risikomanagement

      Mit unserem bewährten Risk-Management-Health-Check bieten wir einen praxisnahen, ganzheitlichen Ansatz zur Bewertung und Optimierung bestehender Treasury und Risikomanagement-Systeme. Dabei analysieren wir unter anderem die Robustheit von Hedging-Strategien, die Effizienz von Finanzierungs- und Liquiditätsinstrumenten, die Angemessenheit von Vertragsgestaltungen sowie die organisatorische Verankerung von Risiko- und Frühwarnprozessen. 

      Unser interdisziplinäres Team bringt umfassende Expertise in Commodity & Energy Trading und Treasury und Risikomanagement ein, um gemeinsam mit Ihnen resiliente und zukunftssichere Lösungen zu entwickeln und zu implementieren. 

      Ziel ist es, Treasury und Risikomanagement als tragende Säulen für Stabilität, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und nachhaltigen Unternehmenserfolg zu etablieren.

      Nutzen Sie die aktuelle Marktberuhigung, um Ihr Treasury- und Risikomanagement-Setup strategisch zu stärken, bevor sich neue Risiken materialisieren.

      Fazit

      Die aktuelle Entspannung der Rohstoff- und Energiemärkte bietet rohstoff- und energieintensiven Unternehmen ein Zeitfenster für die Prüfung und Optimierung ihres Treasury- und Risiko-Management-Setups. Unternehmen, die jetzt Hedging-, Bilanzierungs- und Risiko-Management-Strategien gezielt stärken, schaffen die Basis für Resilienz in zukünftigen Krisen. Treasury- und Risiko-Management-Abteilungen können das reaktive Agieren in Krisen abwenden und sich hin zu einem proaktiven, strategischen Steuerungszentrum entwickeln.

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      Finanzielle Resilienz gezielt stärken

      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 159, Oktober 2025
      Autoren:
      Ralph Schilling, CFA, Partner, Head of Finance and Treasury Management, Treasury Accounting & Commodity Trading, KPMG AG
      Moritz zu Putlitz, Senior Manager, Finance and Treasury Management, Treasury Accounting & Commodity Trading, KPMG AG

       


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