European Economic Outlook: wachsende Risiken für Europas Konjunktur – Schweiz vergleichsweise robust

29. Mai 2026

  • Der aktuelle European Economic Outlook von KPMG zeigt: Der erneute Energiepreisschock erhöht den Druck auf Wachstum, Inflation und Lieferketten in Europa.
  • Für die Schweiz dürften die direkten Auswirkungen geringer ausfallen als in stärker gasabhängigen Volkswirtschaften.
  • Für exportorientierte Schweizer Unternehmen bleiben die Risiken hoch – insbesondere mit Blick auf Nachfrage, Investitionen und globale Lieferketten.


Der aktuelle European Economic Outlook von KPMG zeigt: Der erneute Energiepreisschock belastet Europas Konjunktur. KPMG erwartet für Europa ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent im Jahr 2026 sowie 1,2 Prozent im Jahr 2027. Für die Schweiz dürften die direkten Auswirkungen geringer ausfallen als in stärker gasabhängigen Volkswirtschaften.

Energiepreisschock belastet Europas Konjunktur

Laut Yael Selfin, Chefökonomin von KPMG UK, unterscheidet sich die aktuelle Krise jedoch wesentlich von jener zu Beginn des Jahres 2022. «Die direkte Abhängigkeit von Gas ist heute geringer als während der russisch- ukrainischen Energiekrise, wodurch das Risiko physischer Versorgungsengpässe gesunken ist. Gleichzeitig könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen weitreichender ausfallen, da die Verwerfungen auch globale Rohstoffmärkte und Lieferketten betreffen.»

Wie stark Europas Konjunktur unter Druck gerät, hängt wesentlich von Dauer und Intensität der aktuellen Störungen ab. Entspannt sich die Lage im Verlauf des Sommers rasch, dürften die gesamtwirtschaftlichen Folgen begrenzt bleiben. Gleichzeitig erhöhen steigende Transportkosten sowie höhere Preise für Vorleistungen den Druck auf Unternehmen und Lieferketten in Europa. Bereits heute führen Störungen bei Rohstoffen wie Aluminium und Helium zu Belastungen in industriellen Lieferketten und erhöhen den Kostendruck in Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie, der Halbleiterproduktion und der Rüstungsindustrie.

Inflation expected to rise again across Europe

Für Europa wird für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 3,1 Prozent erwartet. Haupttreiber sind steigende Energiepreise und höhere Transportkosten. Wie stark sich diese Entwicklung in den einzelnen Ländern niederschlägt, hängt von ihrer Energieabhängigkeit und der Struktur ihrer Strommärkte ab. Während Volkswirtschaften mit höherer Gasabhängigkeit wie Italien und Irland stärker betroffen sein dürften, ist in der Schweiz von einer geringeren Weitergabe der Preissteigerungen auszugehen. Das spricht im europäischen Vergleich für eine robustere Ausgangslage, auch wenn sich der Schweizer Markt den internationalen Preis- und Nachfrageeffekten nicht gänzlich entziehen kann.

Konsum bleibt zentraler Wachstumstreiber

Trotz der erneuten Belastung der Kaufkraft privater Haushalte dürfte der Konsum in Europa ein zentraler Wachstumstreiber bleiben. Zwar belasten steigende Preise die Realeinkommen und trüben die Konsumentenstimmung ein, gleichzeitig zeigen sich die Arbeitsmärkte in weiten Teilen Europas weiterhin robust. Für die Schweiz ist dies insofern relevant, als eine schwächere Konsumdynamik in Europa die exportorientierte Wirtschaft indirekt belasten könnte. Insgesamt dürfte die Stabilität der Arbeitsmärkte die Konsumausgaben jedoch stützen und einen Teil der externen Risiken abfedern. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Europa bleibt für die Schweiz von hoher Bedeutung, insbesondere für exportstarke und international vernetzte Unternehmen.

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Dominik Weber

Leiter externe Kommunikation

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