U.S. GAAP gewinnt für Schweizer Unternehmen und Konzerne zunehmend an Bedeutung – insbesondere für Unternehmen mit Berichterstattungspflichten in den USA.

Gründe dafür sind unter anderem Börsenkotierungen in den USA, steigende Erwartungen von Investoren, komplexe grenzüberschreitende Konzernstrukturen sowie regulatorische Anforderungen, einschliesslich SEC-spezifischer Vorgaben.

Schweizer Unternehmen stehen zudem vor der Herausforderung, das Zusammenspiel von U.S. GAAP, IFRS und Swiss GAAP FER zu steuern und gleichzeitig eine hochwertige Finanzberichterstattung sicherzustellen. Unterschiedliche Rechnungslegungsstandards beeinflussen Transparenz, Vergleichbarkeit und Darstellung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens erheblich. 

Parallel dazu verändern mehrere Markttrends die Rechnungslegungslandschaft: Die Transparenz auf Kapitalmärkten nimmt weiter zu, regulatorische Anforderungen bleiben ein zentraler Fokus, und M&A- sowie Carve-out-Transaktionen werden zunehmend komplexer. In diesem Umfeld gewinnen effiziente Umstellungs- und Berichterstattungsprozesse weiter an Bedeutung.

Mohamad Midani

Partner, Head of the U.S. Accounting and Reporting Group

KPMG Schweiz

Thijs Fransen

Partner, Audit, Westschweiz

KPMG Schweiz

Was ist U.S. GAAP?

U.S. GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles) ist ein umfassendes Rechnungslegungsregelwerk für die Finanzberichterstattung in den U.S.-Kapitalmärkten.

Es wird vom Financial Accounting Standards Board (FASB) herausgegeben und enthält detaillierte Vorgaben zur Erfassung, Bewertung und Offenlegung von Posten in Abschlüsse.

Wo ist U.S. GAAP erforderlich – und wie betrifft es Schweizer Unternehmen?

U.S. GAAP ist grundsätzlich für inländische Emittenten an den U.S.-Kapitalmärkten verpflichtend. Ausländische Emittenten können ihre Abschlüsse in vielen Fällen stattdessen nach IFRS (gemäss IASB) erstellen.

Für Schweizer Unternehmen wird U.S. GAAP insbesondere in folgenden Situationen relevant: bei einer Börsenkotierung in den USA, bei der Berichterstattung von Schweizer Tochtergesellschaften U.S.-amerikanischer Konzerne oder bei bestimmten Berichterstattungsanforderungen im Zusammenhang mit Investoren oder Transaktionen in den USA.

In der Schweiz können Unternehmen, die nach dem SIX International Reporting Standard kotiert sind, ihre Abschlüsse entweder nach IFRS oder nach U.S. GAAP erstellen.

U.S. GAAP im Vergleich mit IFRS und Swiss GAAP FER

Bei der Wahl eines Rechnungslegungsstandards vergleichen Schweizer Unternehmen häufig U.S. GAAP, IFRS und Swiss GAAP FER. Die Entscheidung hängt insbesondere von folgenden Faktoren ab: Berichterstattungsziele, Erwartungen der Interessengruppen, Zugang zu Kapitalmärkten sowie Komplexität und Kosten.

Alle drei Regelwerke sind im Schweizer Kontext relevant, unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich Umfang, Detailtiefe und regulatorischem Umfeld:

  • U.S. GAAP: regelbasiertes, sehr detailliertes Regelwerk mit Fokus auf U.S.-Kapitalmärkte und SEC-Berichterstattung

  • Swiss GAAP FER: modular aufgebauter, prinzipienbasierter Standard mit Fokus auf «True and Fair View» in der Schweiz

  • IFRS: international ausgerichteter Standard mit hohem Detaillierungsgrad, geeignet für global tätige oder kapitalmarktorientierte Unternehmen

Kriterium

U.S. GAAP

IFRS

Swiss GAAP FER

Primäres Ziel

Transparente und entscheidungsnützliche Finanzberichterstattung für die U.S.‑Kapital-märkte

International vergleichbare Finanzberichterstattung

Transparente Finanzberichterstattung auf Basis eines anerkannten Schweizer Rechnungslegungsstandards mit dem Ziel eines True and Fair View

Regulatorischer Charakter

Financial Accounting Standards Board (FASB);  Durchsetzung durch SEC und PCAOB

Internationaler Standard, herausgegeben vom IASB

Privater, in der Schweiz anerkannter Standard

Typische Anwender

In den USA kotierte Unternehmen, SEC‑registrierte Emittenten, international tätige Konzerne mit Zugang zu U.S.‑Kapitalmärkten

International tätige und kapitalmarktorientierte Unternehmen

KMU, Konzerne und börsenkotierte Unternehmen

Verwendung im Konzernabschluss

Ja

Ja

Ja

Verwendung für börsenkotierte Unternehmen in der Schweiz

Ja (SIX International Reporting Standard)

Ja

Ja (nur Schweizer Rechnungslegungsstandard)

Wichtige U.S.-GAAP-Themen mit besonderer Relevanz für Schweizer Unternehmen

Schweizer Unternehmen, die U.S. GAAP anwenden oder auf U.S. GAAP umstellen, sehen sich häufig mit einer Reihe wiederkehrender Rechnungslegungs- und Berichterstattungsthemen konfrontiert.

Diese ergeben sich insbesondere im Zusammenhang mit Aktivitäten an den U.S.-Kapitalmärkten, grenzüberschreitenden Konzernstrukturen sowie M&A-Transaktionen.

Sie können zudem Anforderungen an die U.S.-Berichterstattung und interne Kontrollen umfassen. Obwohl gewisse Bereiche weitgehend mit IFRS harmonisiert sind, führen Unterschiede in der Detailregelung, bei Offenlegungspflichten und in der praktischen Anwendung oft zu zusätzlicher Komplexität.

Umsatzerfassung nach U.S. GAAP (ASC 606)


ASC 606 ist grundsätzlich mit IFRS 15 vergleichbar. Unterschiede können jedoch insbesondere in der Anwendung, den Offenlegungspflichten und den Erwartungen der Aufsichtsbehörden auftreten.

Für Schweizer Unternehmen ist die Umsatzerfassung häufig ein zentrales Prüfungs- und Fokusgebiet – insbesondere im Rahmen von Audits, Conversion-Projekten und SEC-Reviews. Dies gilt vor allem für komplexe Verträge und Mehrkomponenten-vereinbarungen.

Finanzinstrumente und Kreditverluste (z. B. CECL)


Das CECL-Modell führt in vielen Fällen zu einer früheren Erfassung erwarteter Kreditverluste über die gesamte Laufzeit als IFRS 9. Dies kann die Komplexität der Implementierung erhöhen und zu höherer Ergebnisvolatilität führen.

Diese Thematik ist insbesondere relevant für Banken sowie für Unternehmen mit wesentlichen Forderungsbeständen oder anderen finanziellen Vermögenswerten.
 

Unternehmenszusammen­schlüsse und Kaufpreis­allokation (ASC 805)


Im Rahmen von M&A- und Carve-out-Transaktionen enthält U.S. GAAP detaillierte Vorgaben zur Kaufpreisallokation (Purchase Price Allocation) sowie zur Folgebewertung.

Unterschiede gegenüber IFRS können sich auf Transaktionszeitpläne, die Berichterstattung nach der Transaktion und Prüfungsergebnisse auswirken – insbesondere bei Schweizer Konzernen mit internationalen Strukturen.
 

Leasing nach U.S. GAAP
(ASC 842)


Die Leasingbilanzierung nach U.S. GAAP unterscheidet sich in mehreren Punkten von IFRS 16. Dazu zählen unter anderem die Klassifizierung von Leasingverhältnissen, die Bestimmung und Neubewertung der Laufzeit sowie die Erfassung von Aufwendungen.

Insbesondere die unterschiedlichen Leasingnehmermodelle nach ASC 842 und IFRS 16 können sich erheblich auf Gewinnverläufe, Kennzahlen und Covenant-Berechnungen auswirken. Dadurch bleibt die Leasingbilanzierung ein wiederkehrendes Thema in U.S.-GAAP-Berichterstattungen und Umstellungsprojekten.

Erstmalige Anwendung und Umstellungsprojekte auf U.S. GAAP

Die Einführung von U.S. GAAP oder entsprechende Umstellungsprojekte werden häufig durch folgende Faktoren ausgelöst: Börsenkotierung in den USA, SEC-Berichterstattungs­pflichten, Akquisitionen oder Transaktionen, Veränderungen in der Konzernstruktur, Berichterstattungsanforderungen innerhalb von U.S.-geprägten Konzernen.

Für Schweizer Unternehmen beinhalten solche Projekte häufig einen Übergang von IFRS, Swiss GAAP FER oder der Rechnungslegung nach dem Schweizer Obligationenrecht (OR). Gleichzeitig erfordern sie die Anwendung eines detaillierteren Rechnungslegungsrahmens mit umfassenden Vorgaben zur Erfassung, Bewertung und Offenlegung.

Sie erfordern häufig Änderungen der Rechnungslegungs-grundsätze, der Berichtsprozesse, der Systeme und der Kontrollmechanismen. Zudem ist eine sorgfältige Planung der Vergleichsinformationen und Offenlegungserfordernisse notwendig.

Eine frühzeitige Planung und ein strukturierter Ansatz sind entscheidend, um die Komplexität zu steuern, Stakeholder abzustimmen und Verzögerungen zu vermeiden – insbesondere bei Kapitalmarkttransaktionen oder im Hinblick auf Audit-Readiness.

Wie KPMG Schweiz U.S. GAAP mit dem Schweizer Kontext verbindet

Die Anwendung der U.S.-GAAP im Schweizer Umfeld erfordert mehr als nur fachliches Buchhaltungswissen.

Dazu gehört auch das Verständnis dafür, wie die Anforderungen der U.S.-amerikanischen Rechnungslegung, Berichterstattung und internen Kontrolle mit den schweizerischen regulatorischen Rahmenbedingungen, Konzernstrukturen und Marktpraktiken zusammenwirken.

KPMG Schweiz kombiniert fundierte U.S.-GAAP-Expertise mit einem vertieften Verständnis der schweizerischen Rechnungslegungs-, Regulierungs- und Kapitalmarktlandschaft.

Schweizer Unternehmen profitieren von integrierten Teams, die lokales Know-how mit internationaler U.S.-GAAP- und SEC-Expertise verbinden. 

Dieser Ansatz hilft Unterschiede zwischen U.S.-amerikanischen und schweizerischen Reporting-Erwartungen zu überbrücken, eine konsistente Anwendung innerhalb von Konzernstrukturen sicherzustellen sowie die Zusammenarbeit mit U.S.-Stakeholdern, Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden effizient zu gestalten.

Damit können Schweizer Unternehmen U.S.-GAAP-Anforderungen so umsetzen, dass sowohl lokale Gegebenheiten als auch internationale Berichterstattungs- und Governance-Anforderungen berücksichtigt werden.

Wie KPMG Sie unterstützen kann

Wir unterstützen Unternehmen, die US-amerikanische Rechnungslegungs- und Prüfungsstandards anwenden müssen. 

FAQ zu U.S. GAAP für Schweizer Unternehmen

U.S.  U.S. GAAP ist der U.S.-amerikanische Rechnungslegungsstandard für die Finanzberichterstattung. Die FASB Accounting Standards Codification bildet dabei die zentrale, massgebliche Quelle.

U.S. GAAP wird grundsätzlich von U.S.-amerikanischen, bei der SEC registrierten Unternehmen angewendet. Für ausländische Emittenten besteht teilweise die Möglichkeit, stattdessen IFRS (gemäss IASB) in ihren SEC-Filings zu verwenden.

U.S. GAAP ist insbesondere relevant für Schweizer Unternehmen mit Börsenkotierung in den USA, Tochtergesellschaften in den USA, Berichterstattungsanforderungen von U.S.-Investoren sowie grenzüberschreitenden Konzernstrukturen mit Bezug zum U.S.-Kapitalmarkt.

Die SIX Swiss Exchange akzeptiert U.S. GAAP als anerkannten Rechnungslegungsstandard für verschiedene Reporting-Segmente, darunter der International Reporting Standard.

U.S. GAAP ist ein detailliertes, regelbasiertes Rechnungslegungsframework mit Fokus auf die U.S.-Kapitalmärkte, IFRS ist ein global ausgerichteter, prinzipienbasierter Standard, Swiss GAAP FER ist ein verhältnismässiges Schweizer true and fair view-Rahmenwerk, und das Schweizer Obligationenrecht konzentriert sich auf gesetzliche Mindestanforderungen.

Ein Schweizer Konzern kann eine Umstellung auf U.S. GAAP insbesondere in Zusammenhang mit einer Börsenkotierung in den USA, steigenden Anforderungen von U.S.-Investoren, Veränderungen in der Konzernstruktur oder bedeutenden kapitalmarktorientierten Transaktionen mit Bezug zu den USA in Betracht ziehen.

Ausländische Emittenten, die U.S. GAAP in ihren SEC-Filings anwenden, müssen die entsprechenden SEC-Berichterstattungspflichten erfüllen, einschliesslich Form 20-F und Regulation S-X.

Wird ein Prüfungsbericht in ein SEC-Filing aufgenommen, sind für den Abschlussprüfer die PCAOB-Standards massgebend. Abhängig vom Status des Emittenten können zudem Anforderungen an die Berichterstattung über interne Kontrollen gelten.

Schweizer Tochtergesellschaften von U.S.-Konzernen erstellen in der Regel Reporting-Packages nach U.S: GAAP, die mit den konzernweiten Accounting Policies, Offenlegungspflichten und internen Kontrollrahmen abgestimmt sind.

Projekte zur Umstellung auf U.S. GAAP oder zur Vorbereitung eines Börsengangs erstrecken sich in der Regel über mehrere Phasen, darunter eine erste Analyse, die Abstimmung der Rechnungslegungsgrundsätze sowie die Umsetzung und die Berichterstattung.

Der Zeitplan hängt dabei von der Komplexität, der Verfügbarkeit von Vergleichsdaten und den Anforderungen der Kapitalmärkte ab.

U.S. GAAP-Zahlen können einen wichtigen Ausgangspunkt für steuerliche und regulatorische Analysen in der Schweiz darstellen, einschliesslich Bewertungen im Rahmen von Säule 2. Häufig sind jedoch zusätzliche Anpassungen und Überleitungen erforderlich.

Schweizer Konzerne sollten daher ihre Prozesse in der Rechnungslegung sowie in der steuerlichen und regulatorischen Berichterstattung sorgfältig aufeinander abstimmen.


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Mohamad Midani

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