Krisenübungen in der Abwicklungsplanung sind bereits gelebte Aufsichtspraxis. Mit dem im April 2026 veröffentlichten Bericht „EBA Recovery Planning – Report on Recovery Plans Dry Runs“ rückt die EBA nun das Testen von Sanierungsplänen in den Mittelpunkt. Ziel ist, die Praxistauglichkeit von Sanierungsplänen zu überprüfen, ihre Umsetzbarkeit zu verbessern und damit die Krisenresilienz der Institute zu erhöhen.
Regulatorischer Rahmen
Sanierungsplanung ist ein Kernbestandteil des Krisenmanagements innerhalb der BRRD. Institute sollen ein tragfähiges, belastbares Gesamtkonzept vorhalten, um ihre finanzielle Position im Zuge der Sanierung wiederherzustellen und eine Abwicklung zu vermeiden. Diese Pläne sind umfassend auszugestalten und auf realistischen Annahmen zu basieren, die robuste bis adverse Stressszenarien abdecken. Die EBA betont, dass Institute nun bereits jahrelange Erfahrung mit der Ausarbeitung von Sanierungsplänen haben und zugleich der regulatorische Rahmen in den vergangenen Jahren konsolidiert wurde, während in der Abwicklungsplanung regelmäßige Krisenübungen bereits etabliert sind. Vor diesem Hintergrund misst die EBA Dry Runs in der Sanierungsplanung nun ebenfalls eine besondere Bedeutung bei.
Der EBA-Bericht ist als Benchmarking-Analyse angelegt und beleuchtet, wie Banken Dry Runs in der Sanierungsplanung umsetzen. Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Bericht nicht um verbindliche Vorgaben handelt, vielmehr soll dieser Institute bei der Weiterentwicklung von Dry Runs unterstützen. Analysiert wurden Einreichungen von 16 grenzüberschreitenden Bankengruppen aus zehn EU-Staaten (H2/2024), um den Status quo sichtbar zu machen, Good Practices herauszuarbeiten und nützliche Referenzen für die Weiterentwicklung von Dry Runs zu liefern. Im Unterschied zur Abwicklungsplanung sind Dry Runs in der Sanierungsplanung nicht explizit in der Regulatorik verankert.
Vorgehen und Ergebnisse der Analyse
Die EBA hat die Praxis der 16 Institute entlang folgender vier Schwerpunkte untersucht und bewertet:
Dabei kam die EBA zu den nachfolgenden Ergebnissen:
- Die meisten Institute sehen klaren Mehrwert in Dry Runs und in den daraus abgeleiteten Lessons Learned.
- Dry Runs sind wirksam, um die Operationalisierung der Sanierungspläne zu verbessern und die Krisenvorsorge zu stärken.
- Ansätze und Reifegrade unterscheiden sich deutlich – teils finden bislang keine Tests statt.
- Am stärksten profitieren Institute, die Dry Runs im Gesamtrahmen des Risikomanagements verankern, als Managementinstrument nutzen und die Ergebnisse systematisch in die weitere Sanierungsplanung miteinfließen lassen.
- Geringer Mehrwert entsteht dort, wo primär zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Erwartungen getestet wird, ohne klare Zielsetzung oder Einbindung des Managements.
- Auch Institute, wo die Sanierungsplanung bereits eine hohe Qualität aufweist, profitieren weiterhin von regelmäßigen und gut strukturierten Dry Runs.
- Synergien und die Verbindung von Testaktivitäten (Sanierungs- und Abwicklungsplanung) erhöhen Effizienz und Konsistenz.
Was Dry Runs erfolgreich macht und was Institute daraus ableiten können
Auf Basis der Ergebnisse hat die EBA zusammengefasst, welche Elemente einen erfolgreichen Dry Run auszeichnen:
Institute sollten Dry Runs mit klarer Governance, einer verbindlichen Mehrjahres-Roadmap aufsetzen und das Ziel haben, aus der Übung zu lernen. Regelmäßiges, gut strukturiertes Testen, u. a. auch in Verbindung mit Übungen der Abwicklungsplanung erhöhen die Verlässlichkeit der Ergebnisse und verbessern die Umsetzungsfähigkeit in einem Krisenfall. Entscheidend für den Erfolg der Übungen sind eine konkrete Zielsetzung, die aktive Einbindung von Schlüsselrollen/-personal (einschließlich Senior Management), eine schlanke, aussagekräftige Dokumentation sowie eine verbindliche Aufarbeitung der Lessons Learned.
Für den vollständigen Bericht wird auf die Veröffentlichung der EBA verwiesen.
Erfahren Sie mehr zu Dry Runs und anderen Testkonzepten – sowohl in der Abwicklungsplanung als auch in der Sanierungsplanung:
Sorgfältig konzipierte Übungen, an denen relevante Fachexpert:innen und Führungskräfte beteiligt sind, stiften messbaren Mehrwert für Institute, auch über die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen hinaus.
Im direkten Austausch zeigen Ihnen unsere Expert:innen gerne, wie Sie das abteilungsübergreifende Verständnis für Krisenmanagement fördern, die erforderliche Dokumentation straffen und klare Eskalations- und Entscheidungswege im operativen Alltag verankern.