Vor dem Hintergrund grosser wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten haben wir unsere diesjährige Studie zu 68 Privatbanken in der Schweiz durchgeführt. Die Ergebnisse sind klar und positiv: Schweizer Privatbanken schneiden sehr gut ab.

Auch wenn es für Banken zunehmend herausfordernd ist, ihre Profitabilität sowie die Kosten-Ertrags-Quote aufrechtzuerhalten, konnten sie im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg des Netto-Neugeldes erzielen. Gleichzeitig erreichten die verwalteten Vermögen ein Rekordniveau. Auch die Konsolidierung gewann an Dynamik: Die Zahl der Banken sank bis 2026 auf 79 – gegenüber 156 im Jahr 2010.

Künstliche Intelligenz zählt zu den derzeit meistdiskutierten Themen, und unser Ziel war es, eine Analyse auf Basis von Fakten und nicht von Spekulationen vorzulegen. Deshalb haben wir 34 Privatbanken zu ihrer Nutzung von KI befragt, während das HSG Institute of Management and Strategy im Rahmen dieser Studie eine vertiefte Analyse durchgeführt hat.

Der neu entwickelte AI Advancement Index bewertet die Schweizer Privatbanken hinsichtlich ihrer KI‑Reife und zeigt, dass nur eine kleine Gruppe als fortgeschritten oder führend gilt.


"Privatbanken schneiden trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines Rückgangs der Schweizer Zinssätze sehr gut ab. Die Frage ist, ob viele das Potenzial von KI unterschätzen."
 

Christian Hintermann
Partner, Financial Services


Clarity on Swiss Private Banks

Clarity on Swiss Private Banks

Kernbotschaften

  • Grössere Institute treiben die Konsolidierung voran, während die Zahl der Banken unter 80 sinkt

    Der M&A-Markt 2025 war geprägt von einer Reihe bemerkenswerter Transaktionen, darunter die Übernahmen der Banque Thaler und von Cité Gestion. Zugleich zeigte sich ein wachsendes Interesse ausländischer Banken, auf dem Schweizer Markt Fuss zu fassen, was den Status des Landes als sicherer Hafen unterstreicht.

    Im Jahr 2026 wurde die Übernahme der Saxo Bank durch Safra Sarasin mit einem verwalteten Vermögen von CHF 105 Mrd. abgeschlossen – die grösste Transaktion seit 2013. Insgesamt sind es vor allem die grösseren Banken, die den aktuellen Konsolidierungsschub vorantreiben.

  • Netto-Neugeld (NNM) trägt zu Rekordhoch bei verwalteten Vermögen (AuM) bei

    Die verwalteten Vermögen (AuM) der 68 Banken in unserer Studie erreichten per Ende 2025 CHF 3.5 Billionen. Das NNM war ein zentraler Treiber dieses Anstiegs: Mit gut CHF 96 Mrd. lag es mehr als ein Drittel über dem Vorjahreswert.

    Banken aller Grössenordnungen entwickelten sich stark: Kleine Banken steigerten ihr NNM um fast 60 %, mittlere Banken hielten nahezu das hohe Niveau von 2024 und grosse Banken legten um 53 % zu. Auch M&A trug dazu bei und erhöhte die AuM um CHF 35 Mrd. – verglichen mit kumuliert CHF 6.5 Mrd. in den Jahren 2021 bis 2024.

  • Starke Ergebnisse – aber keine Verbesserung der Profitabilität

    Trotz nachlassendem Rückenwind durch hohe Zinsen entwickelten sich die Banken weiterhin stark – auch wenn die Bruttogewinne trotz Rekord-AuM nicht weiter stiegen. Mehr als die Hälfte der Banken erreichte eine Kosten-Ertrags-Quote (C/I Ratio) von unter 80 % und gehörte damit zu den starken und im oberen Mittelfeld liegenden Akteuren.

    Grosse und kleine Banken schnitten weiterhin solide ab, wobei grosse Banken keine weiteren Effizienzgewinne erzielten. Bei mittleren Banken stieg dagegen die Kosten-Ertrags-Quote, während die Gewinne zurückgingen.

  • KI ist weit verbreitet, hat bislang aber nur begrenzte Auswirkungen

    KI steht bei Schweizer Privatbanken fest auf der Agenda, auch wenn sich die Investitionen insgesamt noch in einem relativ frühen Stadium befinden. 34 Banken nahmen an unserer kurzen Umfrage zur Nutzung von KI teil. Diese zeigt, dass sich die Zahl der Banken, die mehr als CHF 500’000 in KI investieren, 2026 voraussichtlich verdoppeln wird.

    Derzeit wird KI vor allem für administrative Aufgaben eingesetzt. Gleichzeitig besteht grosses Potenzial für fortgeschrittene Anwendungen – etwa Multi-Agenten-Systeme oder die Ertragsoptimierung.

  • Keine nennenswerten Effizienzsteigerungen in den letzten fünf Jahren

    Betrachtet man die Erträge der Banken pro CHF 1 Mrd. AuM sowie die mit der Betreuung dieser Kundenvermögen verbundenen Kosten, zeigt sich für den Zeitraum 2021 bis 2025 ein bemerkenswert stabiler Trend.

    Der Median der kleinen Banken erreichte in den Jahren 2023 und 2024 seinen Höchststand – getragen von steigenden Zinserträgen und stabilen Kommissionsertragsmargen. Keine grosse Privatbank und nur sehr wenige mittelgrosse Institute konnten ihre Kommissionserträge steigern; zugleich erwies sich auch das Kostenmanagement als anspruchsvoll. Die Analyse deutet darauf hin, dass Banken erst auf Kostensenkungen fokussieren, wenn ihre finanzielle Performance schlechter ist, während in Zeiten guter Performance – wie aktuell – Effizienzsteigerungen tendenziell in den Hintergrund rücken.

  • Fortgeschrittene KI-Fähigkeiten konzentrieren sich auf eine kleine Gruppe von Vorreitern

    Der vom HSG Institute of Management and Strategy entwickelte AI Advancement Index zeigt, dass fortgeschrittene KI-Fähigkeiten auf eine relativ kleine Gruppe von Vorreitern konzentriert sind: Nur 16 von 73 Banken werden als «fortgeschritten» oder als «Vorreiter» eingestuft.

    Diese Institute verfügen über explizite KI-Strategien, formalisierte Governance-Strukturen, Transformationsprogramme und gezielte Technologieinvestitionen zur Entwicklung von «AI First»-Strategien. Entscheidend ist nun, ob ein grösserer Anteil der Banken die fragmentierte Einführung einzelner Tools in eine gut gesteuerte, skalierbare und strategisch relevante Kompetenz überführen kann.


Anzahl der Privatbanken

Die Zahl der Banken sank im Jahr 2025 von 85 auf 80. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem die Übernahme des Schweizer Private-Banking-Geschäfts von Société Générale durch UBP, die Akquisition der Banque Thaler durch CA Indosuez, die Umwandlung der Schweizer Tochtergesellschaft von BNPP in eine Zweigniederlassung der französischen Bank, die Rückgabe der Banklizenz durch IHAG nach dem Verkauf ihres Kundenbuchs an Vontobel sowie die Fusion von ONE Swiss Bank und Gonet & Cie.

Die erzwungene Liquidation der MBaer Merchant Bank Anfang 2026 führte dazu, dass Ende Mai 2026 noch 79 Banken verbleiben.

Anzahl Schweizer Privatbanken > Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern
  • Ausblick

    Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich der Markt zu einem "Winner-takes-all"-Markt entwickelt oder ob bestimmte Nischen auch künftig in kleinerem Massstab profitabel bestehen können.

    Wir gehen davon aus, dass einige kleinere und mittelgrosse Banken als Einstiegspunkte für internationale Finanzgruppen dienen werden, die ihren Kunden einen sicheren Anlagehafen bieten möchten.


AuM Entwicklung

2025 endete mit AuM auf einem Rekordhoch von CHF 3,5 Billionen. NNM war in absoluten Zahlen stark und erreichte CHF 96,0 Mrd. M&A hatte erstmals seit Jahren einen starken positiven Einfluss.

Der kumulierte Einfluss von M&A über die vorangegangenen vier Jahre belief sich auf CHF 6.5 Mrd.; allein im Jahr 2025 lag er bei rund CHF 35 Mrd.

Die starke Entwicklung des Netto-Neugeldes (NNM) über alle Grössenklassen hinweg dürfte von der Reputation der Schweiz als sicherer Hafen gestützt worden sein. Grosse Banken steigerten ihr NNM auf CHF 66.6 Mrd. (52.7 % höher als 2024), mittlere Banken hielten ihr NNM mit CHF 23.3 Mrd. nahezu stabil (5.0 % tiefer), und kleine Banken erhöhten es von CHF 3.8 Mrd. auf CHF 6.2 Mrd. (61.4 % höher).

Diese Zahlen zeigen, dass mittlere Banken ihre starke Entwicklung aus dem Jahr 2024 fortsetzen konnten, grosse Banken sich von einem schwachen Jahr 2024 erholten und kleine Banken ihr bereits starkes NNM weiter ausbauen konnten.

AuM Development > Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern

Entwicklung des NNM im Median

Der Median des NNM stieg von 2.3 % im Jahr 2024 auf 3.5 % im Jahr 2025; 39 von 67 Banken konnten ihr NNM steigern.

Obwohl die grossen Banken in absoluten Zahlen den höchsten NNM-Beitrag leisteten, erzielten sie mit 2.2 % den niedrigsten Medianwert für NNM (2024: 1.4 %). Das NNM ist bei den grossen Banken relativ stabil; in den vergangenen drei Jahren wiesen lediglich zwei Banken in einem Jahr ein negatives NNM aus.

Mehrere Banken aus den Big 8 kommunizieren NNM-Ziele, in der Regel in einer Bandbreite von rund 3 % bis 5 %. Gemessen an den historisch erreichten Werten handelt es sich dabei um ambitionierte Ziele. Nur zwei der Big 8 erzielten in jedem der vergangenen drei Jahre ein NNM von mehr als 3 %.


Anzahl der Banken nach Spanne zwischen Eigenkapitalkosten und Eigenkapitalrendite > Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern

Einführung bzw. Pilotierung von KI-Lösungen

Vier Fünftel der Banken setzen KI bereits produktiv ein, überwiegend zur Unterstützung einzelner Aufgaben und nicht zur Transformation durchgängiger Geschäftsprozesse. Die Nutzung konzentriert sich auf ein enges Spektrum von Anwendungsfällen, insbesondere auf die allgemeine Produktivität der Mitarbeitenden, etwa beim Verfassen von Kundenkommunikation. Fortgeschrittenere Anwendungen wie der Einsatz von Multi-Agenten oder die Umsatzoptimierung spielen bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Nur rund 18 % der Banken investierten im Jahr 2025 mehr als CHF 500’000 in KI. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Ergebnissen wider: Die meisten Befragten führen auf KI weder messbare Kostensenkungen noch nennenswerte Ertragssteigerungen zurück. Eine Bank aus den Big 8 hob sich ab und gab an, im Jahr 2025 eine Kostenreduktion von 5 % erzielt zu haben. Der Anteil der Banken, die mehr als CHF 500’000 investieren, dürfte 2026 auf 32 % steigen.

Anzahl Privatbanken nach Leistungssegment > Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern

AI Advancement Index

Ergänzend zu unserer Umfrage zum Einsatz von KI unter Schweizer Privatbanken führte das HSG Institute of Management and Strategy an der Universität St.Gallen weiterführende Analysen durch, um ausgewählte Aspekte der KI‑Einführung bei Schweizer Privatbanken vertieft zu untersuchen.

Das Schweizer Private Banking tritt in das Zeitalter der künstlichen Intelligenz aus einer Position der Stärke, aber auch mit struktureller Zurückhaltung ein. Das traditionelle Geschäftsmodell des Sektors basiert auf Vertrauen, Diskretion und beziehungsorientierter Beratung – Stärken, die weiterhin zentral für das Wertversprechen sind, die Einführung von KI jedoch zugleich zu einer strategisch sensibleren Herausforderung machen als in vielen anderen Bereichen der Finanzdienstleistungen.
 

Study HSG

HSG Analyse

Lesen Sie die vollständige Analyse inklusive Methodik (auf Englisch).

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Verteilung der Kosten-Ertrags-Quote

Mit der Rückkehr der Schweiz zu einem sehr tiefen Zinsumfeld sanken die Zinserträge um 20 %. In Kombination mit steigenden Personalkosten führte dies dazu, dass die Kosten-Ertrags-Quote auf einen Median von 78.2 % anstieg (75.6 % bzw. 74.2 % in den beiden Vorjahren) – obwohl dies deutlich unter den historischen Werten von über 80 % liegt.

Mehr als die Hälfte der Banken (36) erzielte eine Kosten-Ertrags-Quote von unter 80 %. Das starke Cluster wuchs um eine Bank, während das obere Mittelfeld-Cluster um acht Banken schrumpfte. Die leistungsstärkste Bank erreichte eine Kosten-Ertrags-Quote von 44.8 %, die schwächste von 125.7 %.

Achtzehn Banken wiesen eine Kosten-Ertrags-Quote von über 90 % aus; bei den meisten von ihnen handelt es sich um Institute mit dauerhaft hohen Kosten-Ertrags-Quoten. In dieser Gruppe sollte eine Überprüfung des Geschäftsmodells erfolgen oder ein Verkauf in Betracht gezogen werden.

Wie bereits in den Vorjahren ist ein grosser Teil dieser Banken Tochtergesellschaften ausländischer Banken (10 von 18).

ci ratio > Klicken Sie auf die Grafik, um diese zu vergrössern

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Pascal Sprenger

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